01.02.2010

SSW 9+3

Nachdem der Frauenarzt heute etwas "Merkwürdiges" auf dem Ultraschall entdeckt hat, haben wir kurzfristig heute schon einen Termin zur Pränataldiagnostik bekommen. Mit zitternden Knien warten wir, dass es endlich 17 Uhr wird.

Die Gedanken fahren Achterbahn....endlich sollte doch alles gut gehen und nun müssen wir uns wieder sorgen.

In der Praxis ein kurzes Gespräch und dann der Ultraschall. Wir können auf dem großen Monitor an der Decke alles verfolgen.

Eine unheimliche Stille in dem Raum....

 

 

Die Ärztin sagt, es tut ihr schrecklich leid, mein Mann weint und ich liege da und bin unfähig mich zu rühren, geschweige denn zu denken oder auch nur zu fühlen.

Siamesische Zwillinge!!!


Es ist so unfassbar, warum???
So wie es aussieht sind die beiden am kompletten Rumpf zusammengewachsen. Die Prognose ist sehr schlecht, es bleibt aber abzuwarten (es ist lt. SSW einfach noch zu früh um das zu erkennen), ob sich evt. die Organe doppelt angelegt haben, was eine Trennung möglich machen würde....rein theoretisch. Im Moment kann und will ich nicht entscheiden, aber ein Leben, selbst bei einer Trennung, ein Leben immer zwischen einem Baby zu wählen, während man dem anderen die Chancen auf ein Leben nimmt....das kann ich nicht!
Ich bin noch total im Schock, mein Mann so fertig, wie ich ihn seit dem Tode seiner Mutter nicht mehr erlebt habe.
Wie es weitergeht weiß ich noch nicht, ich werde meinen Töchtern versuchen müssen das Unbegreifliche zu erklären. Aber das erst Morgen....

 

 

02.02.2010

SSW 9+4

Es kann und wird kein positives Ende dieser Schwangerschaft geben! Warum weckt mich Niemand aus diesem Alptraum??? Ich glaube nicht (mehr) an Wunder. Es gibt weltweit nur 4 lebende Zwillis, die eine derartige Verwachsung miteinander haben. Die 4 Paare sind alle ungetrennt.

Selbst wenn man bei all der schlechten Prognose in allen Stufen das Positivste annehmen würde, d.h. die lebenswichtigen Organe sind alle doppelt angelegt, der Blutkreislauf ist nicht allzu sehr miteinander verknüpft, und vorrausgesetzt eine Trennung danach würde erfolgreich sein, würde es für beide Kinder eine lebenslange schwere Behinderung bedeuten. Ich kann mit dieser Gewissheit nicht leben und möchte nie die Entscheidung treffen müssen, ob ich einem der Kinder das Leben verwehren müsste um dem anderen eine klitzekleine Chance einzuräumen.

Das fatale daran ist, dass ich auch jetzt nicht entscheiden möchte, eine Ausschabung vornehmen zu lassen. Meine größte Hoffnung momentan liegt darin, dass sich evt. die Entscheidung selbst trifft bzw. das Herzchen aufhört zu schlagen. Das hört sich so kalt an, war es doch bislang eher meine größte Sorge

Ich werde morgen mit meinem FA besprechen, ob und wie es weitergehen kann. Momentan bin ich auf dem Stand zu warten und evt eine Frist für einen späteren Abbruch zu setzen, falls unsere Beiden sich nicht entscheiden von alleine zu gehen.

Haltet ihr mich für verrückt? Irgendwie hört sich das Ganze so an, als wenn ich total irre wäre. Mein einziger Wunsch ist, dass diese Schwangerschaft mit einer Geburt endet, auch wenn es eine stille Geburt bedeuten würde. Ich möchte einfach alle meine Schwangerschaften so natürlich beenden wie sie entstanden sind. Kann man das nachvollziehen? Ich weiß es nicht...

 

 

03.02.2010

SSW 9+5 

Ich bin so abgeklärt, so völlig kalt....immer noch im Schock.

Mein Frauenarzt will mich am liebsten erst wiedersehen, wenn "das Ganze" erledigt ist. Ich fühle mich so allein gelassen...

Mein Mann und ich haben heute viel gesprochen. Das Ganze hat dazu geführt, dass wir gemerkt haben, dass unsere Entscheidung noch nicht steht, dass wir noch nicht bereit sind völlig aufzugeben. Morgen werde ich nochmal bei der FA für Pränataldiagnostik nachfragen wie sicher die Schwere der Verwachsung tatsächlich ist.

 

 

05.02.2010

SSW 10+0

Heute Abend bekam ich heftiges Unterleibsziehen und Angst, Angst dass sie schon gehen würden....ich bin noch nicht bereit dazu sie gehen zu lassen. Es ist verrückt, wieder ist es Angst, die still und heimlich kommt, sie hat ihr Äußeres verändert, aber sie ist da.
Vor der Schwangerschaft hab ich immer daran geglaubt, dass unsere Sternchen zurückkommen würden, ich hätte sie so gerne kennen gelernt. Dass sie einen Weg finden sich noch einmal zu verabschieden. Als der Test dann positiv war, waren mein Mann und ich davon überzeugt, es würden 2 werden, umso größer war die Enttäuschung nur eine Fruchthülle zu sehen. Aber ich war überzeugt davon, dass ich irgendwann einmal Zwillis bekommen würde.
Ich weiß, dass eineiige Zwille nicht vererbbar sind, aber in meiner Familie gibt es in jeder Generation ein eineiiges Zwillingspaar. Meine Großtanten, meine Tanten, meine Cousins....die nächste Generation gehört uns. Zufall?
Und noch etwas zum Thema: Mein Mann war überzeugt, der ET wird der 3.9.2010 sein, ich war ganz verblüfft, denn er war direkt beim positiven Test so überzeugt davon! Die Pränataldiagnostikerin hat unseren Termin verschoben...auf den 3.9.....wir fingen an zu weinen.
Ich hatte die ganzen Wochen Angst vor der Diagnose "das Herz schlägt nicht mehr" und nun höre ich mich sagen, ich wünsche mir, es hört von selber auf zu schlagen. Aber das ist gar nicht wahr! Auch wenn mein Kopf weiß, wir werden nie mit den Beiden zusammen sein auf Erden, so will mein Herz es nicht glauben und schlägt und schlägt ganz doll, wie um dem kleinen Herzchen den Takt weiter vorzugeben.
Meine Sternchen haben einen Weg gefunden, mir noch einmal Lebewohl zu sagen, einen Körper, dessen Herz, so lange schlägt, dass wir uns etwas besser kennenlernen dürfen. Davon bin ich überzeugt und daran will ich mich klammern.

 

 

06.02.2010

SSW 10+1

Ich fühle mich grad so fürchterlich zerissen, dreimal in einem Jahr schwanger geworden und kein Baby wird am Ende warten. So bin ich schwanger und doch so ganz ohne Hoffnung...

 

 

08.02.22010

SSW 10+3

Meine Lage kurz zusammengefasst: ich fühl mich total schizophren!
Erst einmal war ich beim Hausarzt heute morgen, da mich meine Erkältung schon seit 1 Woche quält. Herzlichen Glückwunsch! Verschleppte Bronchitis! Jetzt bekomm ich ein Antibiotikum und hoffe, dass es hilft....mein Körper macht schlapp.

Danach war der Termin beim FA. Nachdem ich eine geschlagene Stunde im Wartezimmer, eingekeilt von einer Hochschwangeren und von der anderen Seite von einer frischgebackenen Mami mit süßen Töchterlein verbracht habe, gings dann zum US. Der FA meinte ganz mitleidig, dass das Herzchen noch schlagen würde und die Größe auch ok wäre, und schaute mich dabei an, als wäre ich nun dran um in Tränen auszubrechen. Aber ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll? Ich habe gewusst dieser Termin wird "gut" und ehrlich? Ich hab mich gefreut die Babys mit schlagendem Herzchen zu sehen und bewegt haben sich beide Köpfchen. Aber ich wußte, dass er an meinem Verstand zweifeln würde, wenn ich es gesagt hätte, also habe ich mal wieder geschwiegen. Er meinte noch, dass es am Bauch wie ein Nabelbruch oder so aussehen würde, noch eine Fehlbildung mehr, aber das nur am Rande, denn für ihn spielt es ja eh keine Rolle mehr. Dann noch mal Blut abnehmen, obwohl keiner so Recht glaubt, dass die Hormone am absinken sind. Und zack ...keine 10 Minuten später inkl Anziehen war ich wieder draussen.

Aber keine Zeit großartig drüber nachzudenken, denn ich musste schleunigst nach Hause, die Hebamme wollte ja kommmen. Wir sind gleichzeitig angekommen.
Das Gespräch mit der Hebamme war sehr emotional, aber auch sehr angenehm. Sie versteht meinen Wunsch die Kinder zu begleiten, hat mich aber auch vor den Risiken gewarnt. Sie wird mich begleiten und unterstützen und das ist das Wichtigste für mich. Wir haben vereinbart, nach dem nächsten Feinsono Termin nochmal zu sprechen. Sie ist überzeugt davon, dass ich die für uns richtige Entscheidung treffen werde und auch genug Kraft aufbringe das durchzustehen. Es tut so unheimlich gut, dass Jemand an uns glaubt, ich bin mir doch oft sehr unsicher in meiner Entscheidung.

Diese Zeilen habe ich in einem Forum bekommen...sie treffen so zu.

Ich muß mich verabschieden,
verabschieden von meinen Träumen,
verabschieden von meinen Wünschen,
verabschieden von einem Stern,
verabschieden von einer Zeit der Hoffnung,
von einer Zeit des Glücks,
von einer Zeit der Freude.
Aber es fällt mir schwer,
diese Zeit habe ich vor Augen,
ich weiß, daß ich nicht daran festhalten darf,
ich loslassen muß.
So hoffe ich auf eine andere Zeit, eine neue Zeit.

 

 

12.02.2010

SSW 11+0

Mir geht es zur Zeit nicht so gut, bin immer noch krank und von Übelkeit geplagt, dazu noch völlig unmotiviert. Ich war heute kurz im Büro, meine Kollegin hat über meine "Kugel" nicht schlecht gestaunt...und erstaunlicher Weise hab ich das Gefühl, nachdem sich mein Umfeld vom 1. Schock erholt hat, dass man irgendwie wieder uninteressant wird und ziemlich allein ist.